Was sind Peptide?
Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Das ist die ganze Definition, und doch steckt darin fast alles, was Peptide so vielseitig macht: Mit 20 verschiedenen Bausteinen und beliebiger Reihenfolge entstehen Moleküle, die als Hormone, Signalstoffe, Abwehrstoffe oder Werkzeuge der Forschung dienen. Diese Seite erklärt den Aufbau, die Abgrenzung zu Proteinen und die wichtigsten Begriffe.
In einem Satz
Ein Peptid entsteht, wenn sich zwei oder mehr Aminosäuren über eine Peptidbindung verbinden; ab etwa 50 Aminosäuren und einer festen räumlichen Faltung spricht man von einem Protein.
Die Bausteine: Aminosäuren
Jede Aminosäure hat dasselbe Grundgerüst, eine Aminogruppe, eine Säuregruppe und ein zentrales Kohlenstoffatom, und eine eigene Seitenkette. Die Seitenkette entscheidet, ob der Baustein wasserliebend, fettliebend, geladen oder ungeladen ist. Für Peptidsequenzen gibt es zwei Schreibweisen: den Dreibuchstabencode (Gly-His-Lys) und den Einbuchstabencode (GHK).

Die Peptidbindung
Zwei Aminosäuren verbinden sich, indem die Säuregruppe der einen mit der Aminogruppe der anderen reagiert; dabei wird ein Wassermolekül frei. Die entstehende Peptidbindung ist starr und eben, was die möglichen Formen einer Kette begrenzt. Umgekehrt spaltet Wasser die Bindung wieder, langsam in Lösung, schnell mit Enzymen. Deshalb sind Peptide trocken viel stabiler als gelöst.
Peptid, Oligopeptid, Protein
| Bezeichnung | Länge | Beispiel |
|---|---|---|
| Dipeptid | 2 Aminosäuren | Thymogen (Glu-Trp) |
| Oligopeptid | bis etwa 20 Aminosäuren | Epitalon (4), BPC-157 (15) |
| Polypeptid | etwa 20 bis 50 Aminosäuren | Thymosin Beta-4 (43), Tesamorelin (44) |
| Protein | ab etwa 50 Aminosäuren, gefaltet | Wachstumshormon (191) |
Die Grenzen sind fließend. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass längere Ketten eine stabile dreidimensionale Form annehmen, kurze meist nicht.
Was Peptide im Körper tun
Viele Hormone sind Peptide, etwa Insulin, Oxytocin oder GLP-1. Andere Peptide wehren Krankheitserreger ab, wie LL-37, oder tragen Signale zwischen Zellen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist an Rezeptoren auf der Zelloberfläche binden und dort eine Antwort auslösen. Weil sie im Körper schnell abgebaut werden, sind natürliche Peptide oft nur Minuten aktiv.
Synthetische Peptide in der Forschung
Für die Forschung werden Peptide chemisch hergestellt, Baustein für Baustein an einem festen Träger. Das erlaubt, Sequenzen gezielt zu verändern: einzelne Aminosäuren austauschen, Spiegelbildformen einsetzen oder Fettsäuren anhängen, damit ein Peptid länger stabil bleibt. Viele Peptide in unserem Sortiment sind solche Varianten natürlicher Vorbilder, etwa Tesamorelin als stabilisiertes GHRH oder Retatrutide als Agonist an drei Hormonrezeptoren.
Peptide und Proteine im Vergleich
Den ausführlichen Vergleich von Peptiden und Proteinen, von Größe bis Stabilität, bietet Peptide vs. Proteine. Wie man Sequenzen liest und benennt, erklärt Peptid-Nomenklatur.
Häufige Fragen
Sind Peptide und Proteine dasselbe?
Nein. Beide bestehen aus Aminosäuren, aber Peptide sind kürzer und meist ungefaltet, Proteine länger und in eine feste Form gefaltet.
Sind Peptide natürliche Stoffe?
Viele Peptide kommen im Körper vor. Forschungspeptide werden synthetisch hergestellt, oft als veränderte Varianten natürlicher Vorbilder.
Warum sind Peptide als Pulver haltbarer?
Weil Wasser die Peptidbindung und andere empfindliche Stellen angreift. Gefriergetrocknet laufen diese Reaktionen kaum ab.