Rekonstitution in vitro: Lösungsmittel, Konzentration, Aliquots
Peptidkauf Redaktion2 Min. Lesezeit

Bevor ein Peptid im Experiment eingesetzt werden kann, muss das Lyophilisat gelöst werden. Dieser Schritt entscheidet darüber, ob die berechnete Konzentration stimmt und ob das Material stabil bleibt. Der Artikel beschreibt die Rekonstitution für Versuche in vitro, also in Zellkultur, Biochemie und Analytik. Er ist keine Anleitung für die Anwendung an Mensch oder Tier.
Vorbereitung
- Vial im geschlossenen Zustand auf Raumtemperatur bringen, damit sich kein Kondenswasser bildet.
- Kurz zentrifugieren oder leicht klopfen, damit das Pulver am Boden liegt.
- Zertifikat bereitlegen: Chargennummer und gemessener Gehalt werden für die Berechnung gebraucht.
Das passende Lösungsmittel
Die Löslichkeit hängt von der Sequenz ab. Eine grobe Orientierung gibt die Nettoladung bei neutralem pH:
| Eigenschaft | Erster Versuch | Alternative |
|---|---|---|
| Basisch (viele Lys, Arg, His) | Steriles Wasser | Verdünnte Essigsäure (z. B. 10 %) |
| Sauer (viele Asp, Glu) | Steriles Wasser oder Puffer | Verdünnter Ammoniak / Ammoniumbicarbonat |
| Neutral, hydrophob | Kleiner Anteil DMSO, dann mit Puffer verdünnen | Acetonitril (nicht für Zellversuche) |
| Cys-haltig | Entgaste, leicht saure Lösung | DMSO vermeiden (Oxidation) |
Für Zellversuche zählen Verträglichkeit und Endkonzentration des Lösungsmittels: DMSO wird meist unter 0,1–0,5 % im Medium gehalten. Bakteriostatisches Wasser enthält 0,9 % Benzylalkohol und ist für viele Zellversuche ungeeignet; mehr im Artikel Was ist bakteriostatisches Wasser?.
Bei unbekannter Löslichkeit empfiehlt sich ein Vortest mit einer kleinen Teilmenge.
Lösen
- Lösungsmittel langsam an der Vialwand entlang zugeben.
- Schwenken oder vorsichtig rollen, nicht kräftig schütteln.
- Bei Bedarf kurz im Ultraschallbad behandeln; Erwärmung vermeiden.
- Lösung visuell prüfen: klar, ohne Partikel und ohne Schlieren.
Konzentration berechnen
Die Massenkonzentration ergibt sich aus Peptidmenge geteilt durch Volumen. Für die molare Konzentration teilt man zusätzlich durch die Molmasse, die Sie im Peptid-Lexikon finden.
c (mg/ml) = Peptidmenge (mg) ÷ Volumen (ml) c (mM) = c (mg/ml) ÷ Molmasse (g/mol) × 1000
Beispiel: 5 mg in 2,5 ml ergeben 2 mg/ml. Bei einer Molmasse von 1419,5 g/mol sind das etwa 1,41 mM.
Rechnen Sie, wenn möglich, mit dem im Zertifikat gemessenen Gehalt statt mit der Nennmenge. Warum, erklärt Endotoxin- und Wassergehalt.
Konzentrationsrechner (in vitro)
Stammlösung: 5 mg/ml = 5 µg/µl = 5.000 µg/ml
Verdünnung (C₁·V₁ = C₂·V₂)
Benötigtes Volumen der Stammlösung: 200 µl (0,2 ml)
Rechenhilfe für Laborlösungen. Keine Dosierungsangaben.
Stamm- und Arbeitslösungen
Eine konzentrierte Stammlösung ist meist stabiler als eine stark verdünnte Arbeitslösung. Verdünnungen werden mit der bekannten Formel berechnet:
c₁ × V₁ = c₂ × V₂
Wer 1 ml einer 10-µM-Arbeitslösung aus einer 1-mM-Stammlösung braucht, nimmt 10 µl Stammlösung und füllt auf 1 ml auf.
Aliquotieren und lagern
- Stammlösung sofort in Portionen für einen Versuchstag teilen.
- Gefäße mit geringer Proteinbindung verwenden.
- Bei −20 °C oder −80 °C lagern, wiederholtes Auftauen vermeiden.
- Jedes Aliquot mit Peptid, Charge, Konzentration, Lösungsmittel und Datum beschriften.
Dokumentation
Notieren Sie im Laborjournal: Charge und Zertifikat, eingesetzte Menge, Lösungsmittel und Volumen, berechnete Konzentration, Anzahl und Lagerort der Aliquots. So bleibt jedes Ergebnis auf eine geprüfte Charge rückführbar – siehe Chargen & Rückverfolgbarkeit.
Fazit
Sorgfältige Rekonstitution heißt: passendes Lösungsmittel, korrekte Berechnung auf Basis des gemessenen Gehalts, schonendes Lösen und konsequentes Aliquotieren. Weitere Regeln zur Lagerung bietet die Seite Lagerung & Handhabung.